Geschichte des Ortes

Geschichte von Sickershausen

sickershausenpanorama1_160

Wappen

Durch einen schräg links gestellten, durchgehenden Pilgerstab geteilt in rot und schwarz, oben eine silberne Muschel, unten ein sechsstrahliger Stern.

Name

Der Name Sickershausen kommt nicht, wie oft angenommen, von dem vorbeifließenden Bach Sicker. Die genaue Entstehung von Sickershausen lässt sich nicht genau festlegen. Die Endung „-hausen“ weist jedoch darauf hin, dass es vor dem Jahre 1000 entstanden ist. Damals übertrug gewöhnlich der Anführer einer Siedlergruppe seinen Namen auf die neue Siedlung. Als es zum Landausbau kam, wanderten große und kleine Grundherren zu und brachten Scharen von Anhängern mit. Deswegen musste durch Waldrodung der Siedlungsraum erweitert werden. Diesen Rodungen verdankt Sickershausen die Endung „-hausen“. Der Gründungsherr der Sickershausen gründete hieß vermutlich Sieghart. In alten Urkunden wird Sickershausen auch oft anders geschrieben:

SIGSHARTESHAUSEN

SICHARTSHAUSEN

SICHERTSHAUSEN

Entstehung und Geschichte

Die Thüringer mussten sich nach einer Niederlage im Jahre 531 der Frankenherrschaft beugen. Nun strömten militärisch geführte Siedlergruppen ins Maintal und siedelten dort an strategisch wichtigen Punkten. Die Zweite Kolonisationswelle ist in der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts anzusetzen. Nachdem Franken seine Unabhängigkeit verloren hatte wird es zu einer Königsprovinz. Danach kam die Dritte Siedlungswelle, während der auch Sickershausen gegründet wurde. Die Entstehung des Namens wurde ja bereits erklärt. Durch die Errichtung des Bistums Würzburg im Jahre 742 wird Franken vollends in das Karolinerreich eingegliedert. Im Hochmittelalter beginnt eine Periode herrschaftlicher Aufsplitterung im Raum Kitzingen. Die Position des Königreiches ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Erst mit den Staufern erscheinen wieder Königliche Rechte und Besitze. Mit einer Katastrophe endet um Dreizehnhundert die Königliche Herrschaft über Franken. Der Niedergang der Braunecker Linie begünstigt den großen Erben, das Hochstift Würzburg, das Reichsgebiet um Kitzingen den Brauneckern abzukaufen. Die Burggrafen von Nürnberg hatten es aber verstanden, in den, später sogenannten „6 Maindörfern“, die Nachfolge der Braunecker anzutreten, was zu Reibereien mit Würzburg führte. 1443 übernahmen die Hohenzollern, wegen der schlechten finanziellen Lage von Würzburg, Kitzingen als Pfand. Alles stand in dem Ziel die 6 Maindörfer zu besitzen. Diese waren: Obernbreit, (Markt) Steft, Martinsheim, Sickershausen, Gnodstadt und Oberickelsheim. Urkundlich wird Sickershausen das erste mal 1225 erwähnt. Als dann 1340 der letzte Staufer eines gewaltsamen Todes starb, fiel das Dorf nach vielen Verwicklungen an die Braunecker zurück. 1448 kauft Marktgraf Albrecht Achilles von Brandenburg-Onolzenbach Sickershausen, als Bestandteil der 6 Maindörfer, den Brauneckern für 24000 Gulden ab. Die erste „Deutsche Revolution“, der Bauernkrieg ging auch an Sickershausen nicht spurlos vorüber. Im Jahre 1525 wurde die Sickershäuser Burg von vorbeiziehenden Bauern zerstört. Einer schrieb darüber:

„…inzwischen haben die besagten Bauern auf ihrem Rückweg von Gerolzhofen die Burgen, welche hier alle zerstreut waren, nämlich die bei Großlangheim, Castell, Schwarzenberg, die Burg Sickershausen, ebenso die Burg Michelfeld zerstört, sich vieler Sachen bemächtigt und mit Flammen verbrannt“

Die Reformation fand in Sickershausen als eines der Ersten Dörfer statt, um 1528 – 30.
Während des 30. jährigen Krieges wurde Sickershausen wieder geplündert und beraubt.
Sickershausen gehörte, wie bereits geschrieben, zu den 6 Maindörfern, deren Oberschuldheiß bis 1730 Obernbreit war. Am 15. Mai 1627 wurde eine „Kompagnia“ Kaiserlicher, die Schönburger Reiter, in Sickershausen einquartiert. Diese plünderten das Dorf, jagten die Leute aus ihren Wohnungen, nahmen alles Geld und Nahrung mit, zerschlugen Möbel und noch vieles mehr. Die Pest hatte es 1683 leicht, sie räumte in Sickershausen auf und es überlebten nur 18 Bürger. Kaum hatte sich der Ort etwas erholt, plünderten im 2. Französischen Raubkrieg die Franzosen das Dorf und bald darauf die Deutschen Truppen, die Franzosen zurückdrängten. Selbst die Kirche wurde nicht verschont, so dass alle kirchlichen Aufzeichnungen aus dieser Zeit verloren sind. Auch in der folgenden Zeit gab es in Sickershausen oft Herrschaftswechsel. Um 1791 glich das Kitzinger Land politisch, wie auch das ganze Reich, in seiner Buntheit dem Flickkittel eines Bettelmannes. Zu dieser Zeit kam Sickershausen nach 350 jähriger brandenburgischer Herrschaft entgültig unter preußische Herrschaft. Das Oberschultheißamt blieb Marktsteft. Als am 3. Oktober 1805 Napoleon mit seinen Truppen durch Preußen zogen, wollte sie Sickershausen, es war ein Grenzort, nicht durchlasse. Da ließ Napoleon einfach den Schlagbaum zerhacken. Die wenigen Grenzsoldaten konnten die Napoleonischen Truppen nicht aufhalten. Der König vergaß den Vorfall mit dem Schlagbaum bald wieder. Doch ein Jahr später erklärte Napoleon ihm den Krieg und schlug König Friedrich vernichtend. Hätte er gleich bei dem Vorfall mit dem Sickershäuser Schlagbaum reagiert, wäre es vielleicht nicht so gekommen. Durch den Vertrag vom 15.02.1806 zwischen Frankreich und Preußen wurde von Preußen das Fürstentum Ansbach an Frankreich abgetreten. Am 15.03.1806 trat Frankreich das Fürstentum an Bayern ab, wegen wohlwollenden Verhaltens gegenüber Frankreich. In vielen Wappen wurde damals der Preußenadler durch den Bayrischen Löwen ersetzt. Marktsteft war in all diesen Zeiten Obergerichtshof geblieben und wurde erst am 01.07.1862 aufgelöst, und seine Gebiete, somit auch Sickershausen, Kitzingen zugeordnet.

Die beiden Weltkriege

Vom Ersten Weltkrieg wurde Sickershausen nur soweit betroffen, als von hier einige Männer eingezogen wurden und fielen. Sonst hatte dieser Ort keinen Anteil am Krieg. Dagegen erregte ein Zwischenfall, der sich am 1. Mai 1923 ereignete, großes Aufsehen. Tatsache ist, dass ein gewisser Daniel Sauer aus Kitzingen getötet wurde. Wie es dazu kam, ist nicht ganz klar, es gibt zwei Versionen von dem Vorfall:

Die eine, dann auch von den Nationalsozialisten im Dritten Reich offiziell vertretene, besagt, dass die „Braunen“ von einer Maifeier im Michelfelder b.z.w. im Mainbernheimer Wald über die Eisenbahnbrücke nach Kitzingen heimkehren wollten. Die „Roten“ von einer Maifeier in Kitzingen aufgeputscht, wollten die SA-Leute abfangen und legten sich westlich der Bahnlinie (Würzburg – Nürnberg) in einem Wäldchen in einen Hinterhalt. Als die Braunen dann kamen wurden sie angegriffen und vertrieben. Die heranrückende Verstärkung der SA wurde von Daniel Sauer angeführt, der seinen Kameraden zu Hilfe eilen wollte. Er wurde aus einem Hinterhalt heraus erschossen. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde dem Ersten Blutzeugen der SA zu ehren ein Denkmal errichtet.

 

Die Zweite, und von vielen für richtig befundene Version, ist folgende. Die von Mainbernheim heimkehrenden Braunen und die von Kitzingen heimkehrenden Roten treffen an der besagten Stelle aufeinander. Nach einer kurzen Schlägerei ziehen sich die Roten zurück und wollen Verstärkung holen. Die SA verbarrikadiert sich in dem Wäldchen und wartet ebenfalls auf Verstärkung. Zur Sicherung werden Wachen aufgestellt. Auf einmal ertönt ein Warnruf und die SA beginnt blindlings in der Gegend herumzuballern. Dabei wird Daniel Sauer getötet, von seinen eigenen Leuten.
Daniel Sauer Mahnmahl

Wie auch immer es geschehen ist, jedenfalls wurde dem Daniel Sauer ein gleichnamiges Denkmal gebaut, das damals ein beliebtes Ausflugsziel war. Das Denkmal wurde auf Wunsch des damaligen Bürgermeisters im Jahre 1945, nicht wie so oft erwähnt von den Amerikanern gesprengt, sondern von Fritz Wagner unter Einsatz seines Lebens eingelegt. Ein Teil der Steine wurden von Fritz Wagner zum Preis von 400.- RM (Reichsmark) erworben. Der Rest der Steine wurde für die Rathaustreppe und so manchen Treppen im Ort verbaut.

Der Zweite Weltkrieg forderte diesmal auch von Sickershausen seinen Tribut. Die meisten Männer im wehrfähigen Alter wurden eingezogen, und ein Großteil kehrte nicht mehr zurück. Der Ort selbst blieb jedoch verschont, wenn auch mit viel Glück. Als sich nämlich gegen Kriegsende im Sickershäuser Wald Soldaten und angeblich auch SS versteckte, wurden diese von Amerikanischen Flugzeugen bombardiert, d. h. ein Flugzeug warf zwei Bomben ab, die jedoch den Wald gar nicht erreichten, sondern an der Südseite des Weinberges aufschlugen. Als kurz darauf die Amerikaner in Kitzingen einzogen, kamen sie auch nach Sickershausen.
Das Oberdorf (rechts der Kitzinger Strasse, jetzt Markgrafenstrasse) wurde ausquartiert, die Leute mussten in das Unterdorf umziehen, durften aber zwischen 17 und 18 Uhr zum füttern in ihre Ställe. Die beschlagnahmten Häuser wurden Unterkünfte für die Soldaten. Die hier ganz schön hausten. Nach einigen Tagen zogen sie jedoch wieder ab und die Leute konnten in ihre Häuser zurück. In den folgenden Jahrzehnten ereignete sich nichts erwähnenswertes mehr.
Postkarte

Von der Gebietsreform der sechziger Jahre wurde im Jahre 1971 auch Sickershausen berührt. Am 03.02.1971 fand das Erste Gespräch zwischen dem Kitzinger Oberbürgermeister und dem Sickershäuser Bürgermeister statt. Nach vielen Verhandlungen wurde Sickershausen dann am 01.01.1975 in die „Große Kreisstadt Kitzingen „ eingemeindet.

Das Rathaus

Im Jahre 1592 erbaute Sickershausen sein Rathaus, das ursprünglich ein Teil der einstigen Kirchenburg war. Die dem Dorfplatz abgewande Seite zeigt kein Fachwerk, weil es da noch unter Putz liegt, der noch vor der Jahrhundertwende das ganze Rathaus bedeckte. Eine Steinplatte neben der Eingangstür trägt folgende Inschrift:

Als man zählte 1500 Jahr
Und 92 der wenigen Zahl
Nach Christi unsers Herrn Geburt
Dies Rathaus neu gebauet wurd.
Damals hat Arnold Jakob eben
Des Schultheißamt allhier tun pflegen.
Gott wohl des Raths und ganzen Gmien
Dies Fleck treuer Beistand sein.

Nach der Eingemeindung Sickershausens wurde das untere Stockwerk des Rathhauses als Amtsräume benutzt, nun ist das Bürgermeistervorzimmer, das Archivzimmer des Gesangsvereins und es befindet sich die örtliche Rufanlage darin. Das Bürgermeisterzimmer erhielt 2007 die Jvgg Storchenbrünnle als Archivzimmer. Hier wird momentan die gesamte Kerm-Chronik von 1921 bis dato archiviert und gepflegt. Im oberen Stockwerk wurde von Dr. A Pampuch ein bisher einmaliges Frankenstudio eingerichtet. Über 200 Staatsexamensarbeiten (Thema: Unterfranken und Kitzingen), 800 Seminararbeiten (gleiches Thema) sowie
eine Bücherei mit 3000 Bänden. (Quelle R.K + G.P)

Das „Schnitthappla“

Auf dem Sogenannten „Schnitthapples – Weg“, nahe der Grenze Kitzingen – Hoheim, rechts der B8, soll es vor Zeiten zwischen einem Schäfer und einem Winzer Streit gegeben haben. Bei der Auseinandersetzung verletzten sich beide mit einer Schnitthappe so schwer, dass sie an den Folgen starben.
Zur Erinnerung an dieses Vorkommnis wurde an diesem Weg ein Stein mit einer eingemeißelten Schnitthappe und ein anderer mit einer Schäferschippe gesetzt. Bei der Erneuerung der B8 mußte die Einfahrt zum „Schnitthapplesweg“ erhöht werden, und dabei verschwand der Stein spurlos.
(Über diese Geschichte gibt es mehrere Theorien)

Inzwischen wurde der Stein, in einer Nachbildung , vom Weinbauverein und der Jvgg Storchenbrünnle neu gesetzt. Er befindet sich auf dem Weinberg, Richtung Mainbernheim, umgeben von verschiedene Rebsorten.

M. M.

Quelle: Auszug aus der Original Sickershäuser Chronik von R. K.

Für die absolute Richtigkeit kann im Moment keine Garantie übernommen werden, bin aber bemüht den Beitrag zu verbessern.
Weitere interessante Informationen erhalten Sie auch auf Wikipedia (Sickershausen)